Die Ereignisse in Hamburg führen brutale Missverständnisse vor Augen. Missverständnisse, die da herrühren, dass Kommunikation versagt oder Menschen ihre Augen verschließen vor dem, was wirklich passiert.
Das Paradoxe ist, dass Gipfelgegner gerade die Augen öffnen wollen (für Hintergüdiges) und unsere Bundesregierung auf dem Gipfel gerade die Kommunikation (auch mit Andersdenkenden) fördern wollte. Also alle bemühen sich – aus ihrer Sicht- , die Differenzen untereinander treten aber umso offener zu Tage.

Gewalt

Die Gewalt als solche ist indiskutabel. Es ist anzunehmen, dass die meisten Gipfelgegner Gewalt verurteilen. Viele haben friedlich demonstriert. Es wäre ungerecht diese Gipfelgegner mit den Gewalttätigen in einen Topf zu werfen. Dennoch ging die massive Gewalt gegen Polizei und Bürger nicht nur von Einzelnen aus, sondern von Hunderten, die sich im Umfeld der radikaleren Gipfelgegnerschaft spontan formierten und zum Teil auch im Vorfeld organisierten. Im Zentrum des Stadtteils, der zeitweise polizeifrei war und vollkommen außer Kontrolle geriet, befindet sich die Rote Flora, ein linksautonomes Zentrum. Es war erklärtes Ziel, den Gipfel zu stören und sich über polizeiliche Anordnungen hinwegzusetzen. Somit kann man annehmen, dass manche Linksradikale für die Gewalt mitverantwortlich sind.

Wie sehr die gewaltschürende Anti-Haltung von Gipfelgegnern akzeptiert wurde, zeigt die Tatsache, dass sich manche Politiker der Grünen und Linken dazu verstiegen haben, die Polizei, die den Gipfel schützen sollte zu kritisieren und sogar für die Gewalt mitverantwortlich zu machen.
Es ist im Gegenteil klar, dass wir mit allen denen, die sich um ein friedliches Gespräch bemühen, solidarisch sein müssen, aber auch mit denen, die dieses friedliche Gespräch durch den Einsatz Ihres Lebens vor Randalierern zu schützen beauftragt waren.

Trotz der nötigen Trennung zwischen illegitimer, verurteilungswürdiger Gewalt und legitimer politischer Kritik darf doch aus diesem Anlass gefragt werden, ob die Kritik am G20-Gipfel insgesamt sachlich und sinnvoll ist, oder ob sie nicht durch einen intensiveren Verständnisdialog gemildert werden müsste.

Gespräche

Die auf demokratischem Wege (mit allen möglichen Unvollkommenheiten, die sich dabei ergeben) gewählte Bundesregierung sprach laut eigener Auskünfte im Vorfeld mit vielen, teilweise auch gipfelkritischen Organisationen. Die Elemente einer bürgerlichen Gesellschaft wurden also mehr oder weniger angehört. Die Repräsentanz der Bundesregierung ist also – wenn auch vielleicht nicht vollkommen- so doch doppelt und im Rahmen unserer Möglichkeiten legitimiert. Diese Bundesregierung bemüht sich nun um Gespräche mit anderen Staaten. Es soll hauptsächlich um Klimaschutz und Freihandel gehen.

Es ist beachtlich, dass sich alle Staaten außer die USA auf die von Merkel grundsätzlich favorisierte Linie und gegen die Position Trumps verständigt haben. Außenpolitisch bedeutsam ist diese Entwicklung auf jeden Fall, möglicherweise sogar eine große Leistung.

Auch inhaltlich ist wenig gegen Klimaschutz und Freihandel einzuwenden. Die Kritiker richten sich auch nicht immer sachlich gegen diesen Gesprächsgipfel, sondern schöpfen oftmals aus einer eher diffusen Kritik am politischen und wirtschaftlichen System. Diese diffuse Kritik darf versachlicht und konkretisiert werden um die angestrebte Verbesserung der Welt weiterzubringen. Dazu könnte Verständnis vertieft werden.

Auf einen greifbaren Punkt soll hier eingegangen werden: Die Kritik am Freihandel. – Dass die konkreten Erscheinungsformen des Freihandels kritisiert werden können, ist völlig klar. Auch ist es sicherlich frustrierend, wenn Politik Maßnahmen durchzusetzen versucht, die auch der Sicht vieler Bürger und auch aus demokratietheorethischer Sicht lieber unterbleiben sollten. Einzelregelungen des TTIP sind ein Beispiel dafür. Dass Freihandel aber allgemein sehr erstrebenswert ist, darüber muss auch vor wirtschaftswissenschaftlichem Hintergrund gesprochen werden:

Freihandel

Stellen sie sich vor, Sie leben zu zweit in einem Haushalt. Ihre Frau oder Ihr Mann putzt die Fenster des eigenen Wohn-Hauses und bietet zugleich in der Nachbarschaft bezahlte Sporttrainigs an. Jetzt machen Sie ihrer Frau (oder ihrem Mann) den Vorschlag, die Fenster nicht mehr zu putzen, sondern eine Putzkraft aus der Nachbarschaft einzustellen und stattdessen mehr Sporttrainigs zu geben. Wo liegt der Vorteil für Ihren Haushalt? – Ganz einfach: Weil Ihre Frau auf Sporttrainigs bereits spezialisiert ist (Programm, Talent, Musik, Räumlichkeiten etc), kann Sie mit Sporttrainigs in der selben Zeit mehr Wert schaffen, als mit dem Fensterputzen, dass sie nur nebenbei und ohne professionelle Hilfsmittel macht. Es macht daher Sinn, Sporttrainigs zu geben statt Fenster zu putzen.

Wenn es allgemein akzeptierte Regelungen dazu gibt, zum Beispiel gesetzliche Rahmenbedingungen für Verträge etc., können Sie eine Putzkraft einstellen und Sporttrainigs verkaufen, ohne das Sie befürchten müssen übervorteilt zu werden. Wenn aber andersherum jeder Haushalt sagt: „Wir machen unser eigenes Ding“ dann kann kein Haushalt diesen „komparativen Vorteil“ des Sprottrainigsangebots (so heißt das in der Wissenschaftssprache) nutzen. Jeder putzt dann ineffizient seine Fenster selber und jeder macht alleine Sport. Insgesamt hat jeder mehr Aufwand und weniger Spaß bzw. Leistung.

So ist es auch auf der Welt. Deutsche Unternehmen können sehr gute Maschinen bauen. Ausländische Unternehmen schaffen selten so viel Leistung mit so wenig Kosten. (Teure Maschinen, aber noch bessere Service- und Produkt-Qualität). Auf der anderen Seite wächst in Deutschland kein Kakao. Da ist es sinnvoll, wenn Deutschland Maschinen exportiert und Kakao importiert.

Dass es dabei zu globalen Ungleichgewichten kommt liegt nicht nur einseitig an Regierungen, die auf dem Gipfel miteinander gesprochen haben. Die Lage ist komplexer und mit bloßen Störungen und einer generellen Anti-Haltung zum Gipfel ist niemandem geholfen.

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Self-Made-Fondsmanager und Autor

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